St. Vincent [Filmkritik]



Da ich Kinocheck auf Youtube abonniert habe, entgehen mir selten neue Trailer und zur Zeit findet sich das ein oder andere Schmuckstück in den Neustarts.

Seit dem 8. Januar läuft St. Vincent im Kino mit dem legendären Bill Murray in der Hauptrolle.

In St. Vincent spielt er den unfreundlichen Kriegsveteran Vincent MacKenna, der abgebrannt ist und seine Freizeit mit Pferdewetten, zu viel Alkohol und regelmäßigen besuchen im Stripclub verbringt. Von dort stammt auch die schwangere Russin Daka (Naomi Watts), die einmal die Woche das Bett mit Vincent teilt. Natürlich gegen Entlohnung.

Vincents Leben ändert sich, mehr oder weniger, als Maggie Bronstein (Melissa McCarthy) mit ihrem Sohn Oliver ins Haus nebenan einzieht. Durch die Trennung von ihrem Mann ist die Krankenschwester alleinerziehend und ihr neuer Job im Krankenhaus lässt es nicht zu, dass sie sich nach der Schule um ihren Sohn kümmern kann.

Oliver wird in der Schule als "Neuer" von den anderen Jungs nicht akzeptiert, da er schwächer und schmächtiger als die anderen ist. So wird ihm bereits nach dem Sportunterricht sein Spint leer geräumt, wodurch er in Sportkleidung nach Hause laufen muss und durch die Abwesenheit seiner Mutter vor verschlossenen Türen steht. Es bleibt ihm nichts anderes übrig als bei Vincent unterzukommen. Dieser ist zwar nicht allzu begeistert, aber handelt am Telefon mit Maggie einen adäquaten Stundenlohn als Babysitter aus.

Schließlich wird das Arrangement beibeihalten und fortan verbringt Oliver seine Zeit mit Vincent, während seine Mutter weiterhin im Schichtdienst arbeitet.



[Achtung Spoiler enthalten]

Der Film ist als Komödie deklariert, ich würde ihn aber eher als Tragikkomödie einstufen.

Bill Murray glänzt wie immer in seiner Rolle als sarkastischer und grantiger Mensch und verleiht dem Film das Gefühl das er benötigt. Melissa McCarthy ist eher eine Randfigur, zwar eine Hauptrolle, aber nicht tragend für den Film. Auch Naomi Watts hat ihre Daseinsberechtigung, denn sie bietet Vincent in allen Situationen die Stirn, trotz runder Kugel, die sie vor sich herschiebt.
Eine Glanzleistung liefert wohl der Newcomer Jaeden Lieberher. Er spielt Oliver so liebenswert und selbstverständlich, dass man diesen Jungen nur ins Herz schließen kann.

Ich möchte hier auch auf Vincents Perserkatze hinweisen, die wohl an Niedlichkeit nicht zu übertreffen ist. Sie hat einen ziemlichen "Awww"-Effekt.

Was mir aber besonders aufgefallen ist... Bill Murray ist alt geworden.

Mein Vater und er sind im gleichen Jahr geboren, aber Bill hat weitaus mehr von einem Opa. Die Haare werden bald gänzlich verschwunden sein und sind erblasst, die Haut ist schlaff und die Hände und Füße werden langsam auch die eines Greißes. Das kann man in einigen Szenen erkennen.

Die Alterung von Schauspielern macht mir Angst. Denn sie zeigen ein ungewohntes Bild und irgendwie auch wie schnell die Zeit vorbei rast.

Wie oben schon einmal erwähnt, hatte ich angenommen, das St. Vincent eine Komödie ist, aber bereits in der ersten Szene war ich schon erschrocken.

Vincent fährt betrunken nach Hause, nachdem er in seiner Stammkneipe war, zerstört dabei seinen Zaun, gibt der Katze noch etwas zu essen und versucht schließlich Eis mit einem Eispickel zu zerschlagen. Betrunken wie er ist gelingt das nur mäßig und er trifft seine Hand. Das ganze endet damit, dass er brutal gegen den Schrank knallt und bewusstlos liegen bleibt. Am nächsten Tag wird er durch das Umzugsunternehmen der neuen Nachbarin geweckt und als er aufsteht sieht man sein blutverschmiertes Gesicht.

Später erfährt man, was eigentlich wirklich hinter diesem grantigen Mann steckt.

Seit acht Jahren besucht Vincent regelmäßig seine Frau im Heim und wäscht ihre Wäsche, diese ist an Alzheimer erkrankt und erkennt ihn nicht mehr. Deswegen verkleidet er sich auch immer als Arzt, wenn er sie besucht, denn nur so lässt sie ihn an sich heran.

Durch die Verschuldung kann Vincent allerdings das Heim nicht mehr bezahlen und schließlich stehen die Eintreiber der Pferderennbahn auf der Matte, bei denen Vincent ebenfalls Schulden angehäuft hat. Kurz bevor sie ihn als "Warnung" zusammenschlagen wollen, bricht Vincent zusammen.
Schlaganfall.

Oliver findet ihn und ruft einen Krankenwagen.

Von nun an muss Vincent Physiotherapie durchlaufen, da der Schlaganfall ihn schwer beeinträchtigt hat, auch was seine Gesichtsmuskeln betrifft. Das Sprechen, wie das Laufen müssen neu erlernt werden.

In dieser Zeit stehen ihm seine Freunde, Maggie, Oliver und Daka, sowie seine Katze bei und bringen Haus und Hof auf Vordermann.

Als Vincent jedoch nach Hause zurückkehrt muss er erfahren, dass seine Frau seit einigen Wochen verstorben ist.

Der Verlust reißt ihn in ein tiefes Loch und einem wird wieder einmal bewusst, wie traurig eigentlich sein Leben ist.

Schließlich zieht Daka bei ihm ein, um ihn im Haushalt zu unterstützen, nicht uneigennützig, da sie ja bald ein Kind bekommt und natürlich auch eine Bleibe braucht.

Oliver hält vor der gesamten Schule einen Vortrag über Heilige im Alltag und hat sich dafür Vincent ausgesucht. Natürlich ohne dessen Wissen.

Sein Leben wird in Bildform dargestellt und es wird allen klar, was für ein großartiger Mensch Vincent eigentlich hinter dieser harten Schale ist. Ein Kriegsheld, ein treuer Ehemann und ein guter Freund für Oliver.

Daka bekommt am Ende ihr kleines Mädchen, bei dessen Geburt auch Vincent dabei ist und die Schlußszene ist ein gemeinsames Essen mit allen.

Unter all diesen traurigen Szenen, die mich auch zum weinen gebracht haben, hält der Film erfrischendes parat. Oliver und Vincent sind ein gutes Team, haben mehr gemeinsame Interessen als man denken mag und er bringt ihm bei Selbstbewusst zu agieren, in dem er ihm das kämpfen lehrt, um sich gegen die Rowdys aus seiner Klasse verteidigen zu können.

Untermalt wird der Film von der wunderbaren Musik der 60er und 70er Jahre.

Ich mag es kaum glauben, dass Samstag nur weitere vier Leute diesen Film mit uns angesehen haben (20 Uhr!), denn er ist schon jetzt für etliche Preise nominiert. Und diese hat er auch verdient!

Spart euch lieber eine Vorstellung von Honig im Kopf oder Herz aus Stahl und marschiert ins Kino zu St. Vincent!



Kommentare:

  1. Das hört sich wirklich gut an. Danke für den Tipp, davon habe ich bisher noch nichts gehört!
    Ich weiß aber noch nicht, ob ich mich da rein traue, ich bin so furchtbar nah am Wasser gebaut...
    Ich habe übrigens mal nachgeschaut und kann kaum glauben, dass Bill Murray fast 10 Jahre jünger als mein Vater ist. Das hätte ich nicht gedacht, der ist echt alt geworden.
    Viele Grüße, die Alex

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    1. Ich war auch ganz erschrocken, als ich gesehen habe das er gar nicht 70 ist. Er sieht wirklich alt aus für sein Alter. Eben wie ein richtiger Opa. Wahrscheinlich ein wildes Leben gehabt.
      Trau dich ruhig, der Film hat auch einige sehr schöne Stellen!

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