Der Mann mit den traurigen Augen

Mein Vater kam heute um 6 Uhr morgens in mein Zimmer und weckte mich mit den Worten. "Weißt du wer tot ist?"
Ich saß also aufrecht im Bett und wartete. "Wer?"
"Robbie Williams" verstand ich im ersten Moment, war geschockt, dachte das es sehr traurig ist, weil er doch eine Frau und ein kleines Kind hat. "Der Schauspieler."
Und da wusste ich, es war nicht Robbie, sondern Robin Williams und ich hatte mich einfach in meiner Müdigkeit verhört. Es war gerade im Radio zu hören, meinte er weiter. Aber da war ich schon nicht mehr ganz bei mir.
Mein Kopf schwirrte und ich legte mich wieder in mein Bett, nahm mein Handy hervor und da stand es. Hätte ich gestern Abend nur einen einzigen Tweet weiter gelesen, dann hätte es mir schon die Nacht genommen.
Meine Timeline ist voll davon. "Robin Willliams stirbt im Alter von 63 Jahren."
Selbstmord.

Aus dem Enquire:
Most looking forward to: ”Grandchildren. I can't wait to see how my son does as a father. Revenge will be mine!”

Er hinterlässt 3 erwachsene Kinder und seine Frau, sowie zwei Exfrauen.



Manchmal verliert man, auch wenn man gewinnt.
Zitat aus: Hinter dem Horizont


Erst vor ein paar Wochen war zu hören gewesen, dass er wieder einen Entzug machte. Damals machte mich das schon sehr traurig. Bis 2006 war Robin Williams trocken gewesen, wurde dann jedoch rückfällig und begab sich erneut in Reha. Dann wieder 2014 und jetzt?
Jetzt fand man ihn tot in seinem Haus. Todesursache: Ersticken.

Ich lag dann erstmal im Bett und habe geweint. Und ich weine auch jetzt wieder. Ich weine über den Menschen. Über diesen lustigen, liebenswürdigen Menschen, der wohl auch so viel Finsternis in sich hatte, dass er keinen Weg mehr aus seinen Depressionen sah, als sich umzubringen. Und weine um all die Trauer die er bei seiner Familie, Freunden und den Fans hinterlässt und ich weine um den Schauspieler. Der seinen Rollen leben einhauchen konnte, der einem die Kindheit versüßt hat. Der alles ein Stück besser gemacht hat, mit einfachen Gesten und seiner Mimik. Der ernste Themen ansprechen konnte und der Erwachsene zu Kindern machte. Ich weine, weil 63 kein Alter zum sterben ist. Ich weine, weil das Leben so vergänglich ist.

Natürlich kann man jetzt damit kommen, dass man die Person ja gar nicht kannte und ohnehin sterben überall Menschen auf der Welt und Kinder, ach denkt doch einer mal an die Kinder! ABER: Der große Unterschied ist. Ich habe keine Verbindung zu diesen Kindern und den sterbenden Menschen da draußen, so traurig es auch ist. Aber Robin Williams hat mich und mein aufwachsen seit 25 Jahren begleitet. Er gehört für mich zu den sympathischten Schauspielern der Welt. Er ist wie der liebe Opa von nebenan. Bodenständig und einfach.

Und in all seiner Fröhlichkeit und in all seinen Rollen, da waren sie doch immer da. Diese traurigen Augen. Diese unendlich traurigen Augen.

Danke Robin, dass du uns Filme geschenkt hast wie Hook, Hinter dem Horizont, Mrs. Doubtfire, Good Will Hunting, Jumanji, The Birdcage, Der 200 Jahre Mann, Good Morning Vietnam und Patch Adams. Du bist und bleibst ein ganz großer und ich hoffe dir geht es jetzt besser. Und vielleicht ist es da ja auch ein bisschen wie in "Hinter dem Horizont", so bunt. Denn bestraft werden für seinen Selbstmord, das sollte niemand. 



Edit:
Niemand soll sich aufgrund von Depressionen oder einer Suchterkrankung minderwertig oder schwach fühlen. Es sind Krankheiten, die häufig in der Gesellschaft vorkommen und leider als viel zu lapidar abgetan werden. Auch manche Ärzte kümmern sich selbst in der heutigen Zeit schlecht um einen, aber lasst euch nicht unterkriegen. Sucht weiter nach Hilfe, auch wenn es nicht heilbar ist, sondern man lernen muss für sein Leben damit umzugehen.

Kommentare:

  1. Wirklich schöner Text. Als ich das heute gesehen habe, habe ich so geweint.
    Es tut mir richtig leid. Ich habe ja selbst mit Depressionen zu kämpfen, es sind so viele.
    Leider wird dieses Thema immer tot geschwiegen. Dann passieren so schlimme Sachen und die Welt sieht für ein paar Minuten.. Stunden auf. Danach ist alles wieder vergessen. Es trauen sich viele gar nicht darüber zu sprechen.
    Sehr traurig und wirklich schade.
    Alles Liebe
    Michelle

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    1. Danke dir für deinen tollen Kommentar.
      Du hast recht, Depressionen erfahren in den Medien viel zu selten Aufklärung. Wie damals beim Fußballspieler. Man hörte nur, er hat sich umgebracht, wegen seinen Depressionen und das wars dann auch. Meistens kommen die betreffenden Personen dann so rüber, als wären sie schwach oder als ob sie sich keine Hilfe suchen wollten oder vielleicht sogar als hatten sie keine haben wollen. Das ist traurig.

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  2. Ich finde es gerade gut zu wissen, dass es nicht nur mir heute so ging. Ich war auch einfach nur fix und fertig, habe den ganzen Tag darüber nachgedacht. Irgendwie ist es doch schön zu wissen, dass man da nicht alleine ist, weil die meisten meine Trauer nicht ganz nachvollziehen können. Da trauert man nicht allein und das gibt doch irgendwie viel!

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    1. Ich finde ein Mensch sollte Trauern dürfen um was und wen er möchte. Sowas sollte man sich nicht von der Umwelt vorschreiben lassen. Jeder hat da ein anderes empfinden.

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  3. Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht. :/

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  4. sehr schöner Beitrag.

    Es ist soo raurig :(

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    1. Das ist es wirklich. Die Umstände machen es traurig.

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  5. Schöner Beitrag! Deinen Blog finde ich auch sehr interessant

    Mit freundlichen Grüßen,
    Geena Samantha

    http://mintcandy-apple.blogspot.de

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